Noviomagus- Speyer, Vorort der civitas Nemetum

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Der Zeitpunkt der Gründung der civitas Nemetum ist unbekannt. Er dürfte aber erst nach dem Abzug des Militärs in flavischer Zeit (um 74 n. Chr.) zusammenhängen, zumal auch auf dem ehemaligen Kastellgelände öffentliche Bauten vermutet werden. Allerdings sind gerade für die öffentlichen Gebäude kaum Aussagen möglich.


Einheimische Vorgängersiedlung

Von der Siedlung unbekannter Größe in spätkeltischer Zeit zeugt ein Grab (ca. 50-10 v. Chr.), (Johannes-/Armbrusterstraße).


Militärlager

In Speyer lassen sich mindestens drei Militärlager (A-C) in der Zeit von ca. 10 v. – 74 n. Chr. nachweisen. Auf zwei Areale lagen die zugehörigen Zivilsiedlungen ab dem 2. Jahrzehnt n. Chr. In dem zu Lager B gehörigen Vicus war ein um 30 n. Chr. ein Bau mit zwei Flügeln (37 x 30 m) errichtet worden, der als Marktforum gedeutet wird. Einzelne Gräber mit Waffenbeigabe deuten in der Frühzeit auf keltisch-germanische Bevölkerungsteile.

Militärlager und Zivilsiedlungen im 1. Jh
Frühkaiserzeiltliches Marktforum mit Rekonstruktion


Stadtanlage

Das Straßennetz von Noviomagus nahm die durch Kastelle und Kastellvici vorgegebenen Orientierungen wieder auf. Die Hauptstraßen trafen rechtwinklig aufeinander, Nebenstraßen konnten auch schräg verlaufen. Die besiedelte Fläche belief sich auf ca. 25 ha. Eine Stadtmauer wurde erst in der zweiten Hälfte des 4. Jh. n. Chr. errichtet.

Straßennetz und Siedlungsstellen im 2.-3. Jh. n. Chr. Umrandung=Ausdehnung der unbefestigten Siedlung


Großbauten

Parallele Mauerzüge in der Südostecke des ehemaligen Kastells C gehörten zu einem öffentlichen Komplex, wahrscheinlich handelt es sich um das Forum.

Ein Inschriftenfragment lässt wahrscheinlich auf ein sonst archäologisch nicht nachgewiesenes Amphitheater schließen.


Wohnbauten

Im Bereich einer antiken Hauptstraße (Roßmarktstraße) waren die Häuser im 1. Jh. n. Chr. als Holzfachwerk-Bauten mit Pfosten und Schwellbalken entstanden. Zwei Parzellen waren zu einem Doppelhaus zusammengefasst (18 x 30 m), einmal ist ein Streifenhaus nachweisbar (8 x 22 m). Die Parzellengrenzen blieben bestehen. Gegen Ende des 2. Jh. n. Chr. wurden die Bauten in Stein ausgeführt.

Grabung Roßmarktstraße. Römische Bebauung des 1. Jh. n. Chr. n. Chr.
Grabung Roßmarktstraße. Römische Bebauung des 3. Jh. n. Chr. n. Chr.

Etwas weiter westlich entstanden im Südwesteck des ehemaligen Kastells C (Heydenreichstraße) Streifenhäuser (ca. 10 x 25 m) mit vorgelagerter Portikus sowie Brunnen und Latrinen im hinteren Parzellenteil.

Grabung Heydenreichstraße. Römische Baubefunde
Rekonstruktion der römischen Gebäude (Grabung Heydenreichstraße)

Im südlichen Teil der Siedlung (Stiftungskrankenhaus) entstanden mehrere Streifenhäuser im Bereich des kastellzeitlichen Marktforums. Es handelt sich überwiegend um Holzbebauung (ca. 10 x 13 m). Im 3. Jh. n. Chr. wurden zwei straßenseitige Bauten aufgegeben. Zu dieser Zeit entstand im rückwärtigen Bereich ein L-fömirger Bau mit einem Steinsockel, eventuell als Atriumhaus sowie ein einfacher Pfostenbau.

Grabung Stiftungskrankenhaus, Römische Baubefunde

Der Domhügel war dicht mit Streifenhäusern (ca. 7-10 x 30 m) mit straßenseitigen Portiken bebaut. Sie waren in Steinbauweise bzw. als Fachwerkbauten mit Steinsockel ausgeführt.

Grabung Domhügel. Streifenhausbebauung des 2.-3. Jh. n. Chr. und spätantike Befunde


Hafen
Aufgrund der Topographie erscheint ein Hafen nur an der Einleitung der Speyerbaches möglich. Befunde fehlen bislang.


Sichtbare Reste
Die spätantike Stadtmauer des 4. Jh. n. Chr. hat sich teilweise innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer erhalten (Dom- und Archivgarten).

Museum
Römische Funde sind im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ausgestellt.

Thomas Schmidts


Literatur (Auswahl)

H. Bernhard, Speyer in der Vor- und Frühzeit. Von der Steinzeit bis zum Frühmittelalter (um 20000 v. Chr. bis ins 5. Jh. n. Chr.). In: Geschichte der Stadt Speyer (Stuttgart2 u.a. 1983) 1-161.

H. Bernhard, Das römische Speyer. In: Unter dem Pflaster. Archäologische Grabungen von 1987-1989 (Speyer 1989) 15-23.

H. Bernhard in: Die Römer in Rheinland-Pfalz (Stuttgart 1990) 557-567.

H. Bernhard, Römische Vicusbauten in der Pfalz. In: Haus und Siedlung in den römischen Nordwestprovinzen. Grabungsbefund, Architektur, Ausstattung (Homburg/Saar 2002) 141-164.

H. Bernhard, Abschluss der archäologischen Untersuchungen in Speyer Ludwigstrasse 17 a. Archäologie in der Pfalz 2001 (2003) 207-209, Abb.

U. Grünwald, Römische Besiedlung am Domplatz. In: Unter dem Pflaster. Archäologische Grabungen von 1987-1989 (Speyer 1989) 24-34.

U. Grünwald, Keller des 2. und 3. Jahrhunderts am Domplatz. In: Unter dem Pflaster. Archäologische Grabungen von 1987-1989 (Speyer 1989) 45-50.

U. Grünwald, Ausgrabungen im römischen Stadtbezirk von Speyer (Noviomagus, Nemetae). Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz 47-51, 1992-96, 511-513, Abb.

G. Lenz-Bernhard/ H. Bernhard, Das Oberrheingebiet zwischen Caesars Gallischem Krieg und der flavischen Okkupation (58 v.-73 n.Chr.). Eine siedlungsgeschichtliche Studie. Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 89, 1991.