Lopodunum-Ladenburg, Vorort der civtas Ulpia Sueborum Nicrensium

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Gründung und Aufbau

Die civtas Ulpia Sueborum Nicrensium entstand um 110 n. Chr. nach dem Abzug des Militärs aus Lopodunum-Ladenburg. Die Bezeichnung Neckarsueben bezieht sich auf germanische Siedler, die sich um 30/40 n. Chr. in mehreren Siedlungen in einheimischer Bautradition um Ladenburg niedergelassen hatten. Der Beiname Ulpia belegt dabei die Gründung unter Kaiser Traian. Mit der Einrichtung der Civitas wurde auch der Bau des Forums vorangetrieben, dessen Basilika aber unvollendet blieb. In der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. erfolgte der weitere Ausbau der Siedlung.


Militäranlagen

In Ladenburg sind zwei Kastelle nachgewiesen. Von Kastell II ist nur ein kleiner Abschnitt der Holz-Erde-Befestigung bekannt. Es bestand nur kurzfristig zu Beginn der militärischen Besetzung kurz vor bzw. um 75 n. Chr. Kastell I (3,9 ha) wurde um 75 errichtet und im 1. Jahrzehnt des 2. Jh. n. Chr. aufgegeben. Der zugehörige Kastellvicus befand sich beidseits der nord-südlich verlaufenden Fernstraße, ein Badegebäude direkt nördlich des Kastells.

Grundriss Kastell I mit Ergänzungen


Stadtanlage

Die Hauptachsen der Stadt orientierten sich am ehemaligen Kastell und dem Vicus. So blieben Kastellumwehrung und Graben zunächst noch bestehen, lediglich die Tore wurden eingerissen. Über dem östlichen Kastellteil entstand am Schnittpunkt der ehemaligen Lagerstraßen das Forum (1,1 ha).
Die um 200 errichtete Stadtmauer erreiche eine Länge von 2,7 km. Es handelte sich überwiegend um eine Mauer mit vorgelagertem Graben, lediglich im nördlichen Abschnitt ist ein Erdwall anstatt der Mauer nachgewiesen. Die Stadtmauer umschloss eine Fläche von ca. 40 ha, die gesamte bebaute Fläche betrug ca. 44 ha.

Plan der römischen Siedlung


Öffentliche Gebäude und Funktionsbauten

Das Forum (130 x 84 m) war außen an drei Seiten von einer Portikus umgeben. Der ebenfalls von Säulenumgängen eingefasste Innenhof wurde im Osten von einer dreischiffigen Basilika mit rückwärtigen Räumen (73 x 29 m) abgeschlossen. Indizien wie fehlender Putz deuten darauf hin, dass das im frühen 2. Jh. n. Chr. begonnene Bauwerk nicht fertig gestellt wurde. Die Basilika stellt auch den größten bekannten römischen Bau rechts des Rheins dar. Ihre Maße fallen nur etwas kleiner als bei der Augster Basilika aus. Aufgrund der Straßenführung wurde ein als Befund nicht nachgewiesenes Bogenmonument nördlich des Forums an der Stelle des ehemaligen Kastelltores erschlossen.

Grundriss des Forums
Rekonstruktion des Forums

Im Süden der Siedlung lag ein Komplex (ca. 100 x 90 m) mit großem Innenhof und anschließenden Raumreihen. Er wird als mögliches zweites Forum gedeutet, das in der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. erbaut wurde. Weniger wahrscheinlich ist eine Interpretation der Anlage als Herberge (mansio).

Direkt westlich davon befand sich ein Bau mit großen hypokaustierten Räumen. Ein direkt nördlich anschließender Badetrakt war mit hochwertigen Wandmalereien ausgestattet. Dieser Komplex wurde als achsensymmetrische „Palastanlage“ für hohe staatliche Würdenträger wie den Statthalter gedeutet, was allerdings unsicher ist. Öffentliche Thermen könnten sich nördlich von dem „Palast“ befunden haben.

Grundriss des „Palastes“

Im Südwesten der Stadt unmittelbar bei der Stadtmauer befanden sich mehrere langrechteckige Gebäude, die wohl als Speicherbauten interpretiert werden können.

Als Heiligtümer sind zwei Mithräen bekannt, wobei es sich um ein abgesenktes Gebäude mit Treppenzugang (Mithräum I) und einen Keller mit Vorraum und Treppe handelt (Mithräum II). Die Deutung erfolgte aufgrund eines Kultbildes bzw. eines Altares. Darüber hinaus legen Weihedenkmäler die Existenz mindestens eines bislang nicht ausgegrabenen Tempelbezirks nahe.

Vom Theater sind mehrere Sitzsteine mit Inschriften bekannt. Spärliche Befunde lokalisieren den Bau (Dm. ca. 90 m) südöstlich der Stadtmauer.


Wohnbebauung

Im Bereich des Kellereiplatzes an der nördlichen Hauptstraße konnten beidseits einer platzartigen Erweiterung Wohnhäuser untersucht werden. Die Bebauung bestand aus Streifenhäusern, die ab ca. 75 als Holzpfosten-, ab dem frühen 2. Jh. n. Chr. als Schwellbalken- und ab der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. nacheinander als Steinbauten ausgeführt waren. Außer der Zusammenlegung von Parzellen zu größeren Wohneinheiten wurden die Parzellengrenzen während der gesamten Siedlungszeit beibehalten. Die Parzellen waren 8-10 m breit, die Baukörper zunächst ca. 30, in der jüngsten Phase bis über 50 m lang. Als Bewohner lassen sich Händler und Handwerker nachweisen. Zur Straße hin befand sich eine durchgehende Portikus. In den hinteren Hofbereichen befanden sich Brunnen und Latrinen. Bei dem kleinen Rundbau in der Mitte der Straße hatte möglicherweise eine Funktion bei periodisch stattfindenden Märkten.

Römische Wohnbauten am Kellereiplatz im späten 1. Jh. n. Chr.
Römische Wohnbauten am Kellereiplatz um die Mitte des 2. Jh. n. Chr.
Römische Wohnbauten am Kellereiplatz im 3. Jh. n. Chr.
Rekonstruktion der Front der römischen Wohnbauten auf der Westseite des Kellereiplatzes im späten 1. Jh. n. Chr. (oben), um die Mitte des 2. Jh. n. Chr. (Mitte) und im 3. Jh. n. Chr. (unten)

Im Stadtgebiet sind weitere, kleinere Siedlungsausschnitte mit Parzellenbreiten von 6-9 m mit Portiken zur Straße, teilweise von Steinsäulen gestützt, belegt. Töpfereien befanden sich während der Kastellzeit noch im Süden der Stadt und ab dem 2. Jh. n. Chr., wie auch die Ziegeleien, außerhalb des Zentrums.

Römische Wohnbauten in der Traianstraße


Wasserversorgung

Eine Fernwasserleitung ist nicht nachgewiesen. Die Wohnhäuser verfügten allgemein über Brunnen in den rückwärtigen Teilen der Parzellen.


Sichtbare Reste
Fundamentmauern der Forumsbasilika können bei der St. Gallus-Kirche besichtigt werden. Die Kirche steht über der Basilika, wobei die Länge des Gotteshauses deren Breite entspricht.


Museen
Funde aus Ladenburg werden im Lobdengaumuseum in Ladenburg und im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz präsentiert.

Thomas Schmidts


Literatur (Auswahl)

D. Baatz, Lopodunum-Ladenburg a. N. Die Grabungen im Frühjahr 1960. Badische Fundberichte Sonderheft 1 (Freiburg 1962).

M. N. Filgis, Stadt oder Dorf? Zwei römische Siedlungen im Neckarraum. In: Stadt und Umland. Neue Ergebnisse der archäologischen Bau- und Siedlungsforschung. (Mainz 1999) 50-62.

H. Kaiser/C. S. Sommer, Lopodunum. I. Die römischen Befunde der Ausgrabungen an der Kellerei in Ladenburg 1981-1985 und 1990. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 50 (Stuttgart 1994).

G. Lenz-Bernhard, Lopodunum III. Die neckarswebische Siedlung und Villa rustica im Gewann "Ziegel- scheuer". Eine Untersuchung zur Besiedlungsgeschichte der Oberrheingermanen. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 77 (Stuttgart 2002).

G. Lenz-Bernhard, Die Neckarsueben in der Gemarkung Ladenburg. In: Ladenburg. Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte. (Ubstadt-Weiher 1998) 43-201.

B. Rabold/ C. S. Sommer Lopodunum 98. Vom Kastell zur Stadt (Ladenburg 1998).

O. Schlegel, Germanen im Quadrat. Die Neckarsueben im Gebiet von Mannheim, Ladenburg und Heidelberg während der frühen römischen Kaiserzeit. Internationale Archäologie 34 (Rhaden/Westfalen 2000).

C. S. Sommer, Vom Kastell zur Stadt, Aspekte des Übergangs in LOPODUNVM/Ladenburg und ARAE FLAVIAE/Rottweil. In: Roman frontier studies 1995. Proceedings of the XVIth Congress of Roman Frontier Studies. Oxbow Monograph 91 (Oxford 1997) 511-516.

C. S. Sommer, Vom Kastell zur Stadt. LOPODVNVM und die CIVITAS VLPIA SVEBORVM NICRENSIVM. In: Ladenburg. Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte. (Ubstadt-Weiher 1998) 81-201.

Laufende Berichte zu Ausgrabungen in Ladenburg in:
Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1981 ff.