Das Schiff Mainz 4

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Entdeckung und Erhaltung
Datierung
Funktion
Einzelheiten der Konstruktion
Aufbewahrung


Entdeckung und Erhaltung

Wie die Schiffe 1,2,3 und 5 wurde auch das Schiff 4 bei Bauarbeiten für das Hotel Hilton II in Mainz während des Winters 1981/82 entdeckt. Erhalten blieben nur die obersten fünf Plankengänge auf der Backbordseite des Achterschiffs. Die unteren Planken, der Kiel, der Achtersteven, das Vorschiff und die gesamte Steuerbordseite fehlen. Das Teil besitzt eine Länge von 10,80 m und eine Breite von 1,20 m



Datierung

Für den Bau von Schiff 4 wurde Eichenholz verwendet. Dessen dendrochronologische Untersuchung ergab allerdings nur ein unsicheres Datum von 393 n.Chr.; alle anderen Proben erlaubten überhaupt keine Datierung. Da das Schiff 4 jedoch den beiden spätantiken Schiffen 1 und 5 aus Mainz ähnelt, wird man es wohl ebenfalls ins 4. Jahrhundert datieren dürfen.



Funktion

Sehr wahrscheinlich gehört dieses Wrack zu einem römischen Militärschiff vom Typ Mainz A. Dabei handelt es sich um ein schnelles Ruderschiff, das auch über Segelvorrichtungen verfügte und als Mannschaftstransporter diente. Der Nachbau Mainz A im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz zeigt, wie solch ein Schiff ursprünglich aussah.

Einzelheiten der Konstruktion

Planken

Wie die übrigen spätantiken Schiffe aus Mainz ist auch das Wrack 4 kraweel beplankt, ohne daß man die ca. 2 cm dicken, 24 - 26 cm breiten Planken durch Nut und Feder miteinander verbunden hat, wie es bei Schiffen in mediterraner Bauweise üblich war.
Der von der Bordkante aus gezählte 3. und 5. Plankengang sind sogenannte Totgänge, also Plankengänge, die nicht bis zu den Schiffsenden durchlaufen, sonder vorher enden. Der zweiter Plankengang unterhalb der Bordkante weist eine Z-Schäftung auf.

Spanten

Innerhalb des Spantsystems lassen sich unterschiedliche Spanttypen erkennen. Zwar wurden in der Hauptsache dreigeteilte Spanten aus zwei separaten Seitenspanten und einer Bodenwrange verbaut, doch gibt es daneben geschäftete Auflanger, die darauf hinweisen, daß Schiff 4 auch zusammengesetzte Spanten besaß. Bei den Mainzer Schiffen kennt man diese Spantart sonst nur von Schiff 3. Die in der Regel 7 cm dicken und 12 cm breiten Spanten sind durch Eisennägel mit den Planken verbunden.


Steuerungsanlage

Die Steuerungsanlage gleicht der der Schiffe 1 und 2, doch zeugen nur wenige Hinweise von seiner Existenz: ein in die Bordwand gesägtes Loch, seitliche Aussparungen in den Spanten an dieser Stelle sowie das innere Stützholz des Ruderbalkens.

Wegerung

Durch die 28 - 30 cm breiten, 2 cm dicken Weger, die den Rumpf im Inneren völlig auskleiden, unterscheidet sich Schiff 4 von allen übrigen spätantiken Mainzer Wracks. Gut zu erkennen sind die Aussparungen für die Duchten der Ruderer im obersten Weger (1). In den quadratischen Ausschnitten im 2. Weger lagen ursprünglich Querbalken für die Fußstützen auf (2). Die Löcher im unteren Weger dienten als Auflage für Querbalken, die die Laufplanken trugen (3).

Dollbord

Gut erhalten blieb der Dollbord. Er besteht aus der äußeren 5 cm dicken und 17 cm breiten Scheuerleiste und dem inneren 6 cm dicken und 12 cm breiten Dollbaum mit nahezu halbrundem Querschnitt. Anders als bei Schiff 1 mit einem durchgehenden Schandeckel als oberem Dollbordabschluß steckten bei Schiff 4 die Dollpflöcke in separat angefertigten Riemenauflagen. Deren breite untere Zapfen paßten in die Lücke zwischen jeweils zwei Spanten.



Aufbewahrung

Das mit Kunstharz konservierte Schiff 4 ist im Museum für Antike Schiffahrt in Fundlage zu sehen.


Barbara Pferdehirt

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