Das Schiff Mainz 3


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Entdeckung und Erhaltung
Datierung
Funktion
Einzelheiten der Konstruktion
Aufbewahrung

Entdeckung und Erhaltung

Das Schiff 3 wurde im Winter 1981/82 in der Baugrube des Hotels Hilton II an der Löhrstraße in Mainz zusammen mit vier weiteren Schiffen gefunden. Es war in zwei Teile zerbrochen, wobei sich die Backbordseite vom Achtersteven bis zum Mastspant erhalten hat. Die obersten Plankengänge im Heck fehlen allerdings. Im Mittschiffsbereich lagen die drei untersten Plankengänge der Steuerbordseite noch mit Kiel und Backbordplanken im Verbund. Die rechte Heckseite war komplett abgerissen und lag neben dem Rumpf. Dabei wurden der 2., 3. und 4. Plankengang so stark zerstört, daß die beiden Wrackteile keine unmittelbare Verbindung mehr miteinander besaßen. Doch mit Hilfe der Ruderanlage konnte die korrekte Position des steuerbordseitigen Heckteils festgelegt werden: In den beiden Seitenspanten des Hecks gibt es noch die Aussparung für den Ruderbalken. Dieser verlief ursprünglich senkrecht zum Kiel und durchstieß die Bordwände auf derselben Höhe. Damit ist aber der Platz des abgerissenen Heckteils in seiner Höhe und Längsausrichtung eindeutig bestimmbar. Anders als auf der Backbordseite hat sich auf der Steuerbordseite im Heck die Bordkante erhalten. Das wieder zusammengesetzte Wrack ist heute noch 13,80 m lang und ca. 3,40 m breit. Die Höhe beträgt im Heck 1,30 m, im Mittschiffsbereich ca. 1 m.

Datierung

Die dendrochronologischen Untersuchungen des Eichenholzes ergaben Fälldaten vom Ende des 3. Jahrhunderts n.Chr. Damit scheint das Schiff 3 früher gebaut worden zu sein als die Schiffe 1,2,4 und 5. Nach dem archäologischen Befund sank es aber zur gleichen Zeit wie die übrigen spätantiken Schiffe aus Mainz, nämlich zu Beginn des 5. Jahrhunderts n.Chr.



Funktion

Wrack 3 gehört zu einem anderen Schiffstyp als die Schiffe 1,2,4 und 5. Dieser Typ B ist kürzer, breiter und höher als der Typ A; er macht insgesamt einen gedrungeneren Eindruck. Dennoch handelt es sich auch bei ihm um ein Militärschiff und nicht um ein Frachtschiff. Dafür spricht das sehr schmale Heck und das für Frachtschiffe untypische Längen-Breiten-Verhältnis von 5:1. Dieses Fahrzeug bot allerdings nur sieben Ruderern auf jeder Seite Platz und war damit bei zusätzlich höherem Gewicht langsamer als der Typ A. Bei Bedarf konnte es gesegelt werden, wie das erhaltene Mastspant beweist. Sehr wahrscheinlich diente Schiff 3 als Patrouillenschiff zur Überwachung der Rheingrenze im 4. Jahrhundert n.Chr. Einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen dieses Typs vermittelt der Nachbau Mainz B im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz.

Einzelheiten der Konstruktion

Planken

Das Wrack 3 zeigt sowohl konstruktive Gemeinsamkeiten mit den übrigen spätantiken Mainzer Schiffen als auch Besonderheiten. So besitzt es wie die anderen Schiffe (1,2,4 und 5). 2 - 2,5 cm dicke, 20 - 30 cm breite, kraweel gesetzte Planken, die keine Nut-und-Feder-Verbindung untereinander aufweisen. Von den insgesamt 9 Plankengängen sind der 4. und 9. Plankengang als Totgänge anzusprechen, d.h. beide Plankengänge erreichen nicht die Schiffsenden. Bei Schiff 3 konnten eine Reihe von Schäftungen beobachtet werden. So gibt es in den Plankengängen Backbord 3 und Backbord 4 Z-Schäftungen; stumpfe Schäftungen lassen sich einmal im Plnkengang Backbord 3 und zweimal im Plankengang Backbord 6 nachweisen. Eine Reihe von Flickungen in den Plankengängen Backbord 3 (zweimal), Steuerbord 1 und Steuerbord 3 weisen darauf hin, daß Schiff 3 wohl recht lange im Einsatz war. Ein langer Riß im Plankengang Backbord 5 wurde in antiker Zeit mit Kalfatmaterial abgedichtet.

Kiel

Der 28 cm breite Kiel mit einer Bilgerinne in der Mitte trägt Markierungen im Abstand von ca. 33,5 cm auf, mit denen der antike Bootsbauer den Sitz der Spanten angerissen hat. Dieses Maß findet sich auch in den Schiffsproportionen wieder; es entspricht ungefähr 1 pes Drusianus, das im gallisch-germanischen Raum in römischer Zeit übliche Längenmaß. Am hinteren Ende des Kiels war der Achtersteven aus gewachsenem Krummholz befestigt, der sich - obwohl zerbrochen - bis zur Höhe der Bordkante erhalten hat. Die Schäftung an seinem oberen Ende spricht dafür, daß hier eine Verlängerung angebracht gewesen war, die wohl in einer Stevenzier endete.

Spanten

Eine Besonderheit stellen die 10 - 12 cm breiten, 5 - 6 dicken Spanten von Schiff 3 dar. Im Gegensatz zu den Schiffen 1, 4 und 5, mit Seitenspanten und Bodenwrangen bzw. Schiff 2 mit Halbspanten wurden hier fast ausschließlich zusammengesetzte durchgehende Spanten verbaut, die im Kimm- oder Kielbereich geschäftet sind und drei Nüstergatts aufweisen.
Lediglich im engen Heck wurden dreigeteilte Spanten aus zwei Seitenpanten mit Knaufenden und einer Bodenwrange verwendet. Das letzte Spant besteht sogar nur noch aus zwei Seitenspanten. Die auf dem Achtersteven aufsitzenden Spanten haben auf der Unterseite eine Aussparung, so daß die Spanten von oben um den Achtersteven greifen.

Das Mastspant weist an der Achterkante eine Sponung als Auflage für die Bodenplanken auf. Sie ist an der Mastspur unterbrochen, der Kielbereich lag also anscheinend offen. Wie bei allen spätantiken Schiffen aus Mainz bilden auch bei Schiff 3 Eisennägel die Verbindung von Spanten und Planken.

Hinweise auf ein Deck

Obwohl bis auf einige Wegerreste aus Nadelholz keine Einbauten mehr vorhanden sind, gibt es doch einige Hinweise darauf. So sprechen Reste von Innennägeln, die sich in je einer Reihe rechts und links vom Kiel fanden - also dort, wo es nach Aussage des Mastspants keine Bodenplanken gab - und eine recht eng gesetzte Nagelreihe etwas oberhalb der Kimmung für hier angebrachte Substruktionen eines Decks. Denn gerade bei dem durch die Nagelreihe bezeugten Weger oberhalb der Kimm kann es sich nicht um einen Duchtweger handeln, wie man ihn aus den Schiffen 1 und 4 kennt, dafür sitzt er zu tief im Rumpf. Einen wichtigen zusätzlichen Hinweis auf ein Deck liefern die Spanten im Heck auf der Steuerbordseite. Sie tragen etwas unterhalb der Bordkante Aussparungen und Reste von Innennägeln.

Auch hier war also ein Weger angebracht, der jedoch so weit im Heck sicher auch nicht mit den Ruderbänken (Duchten) in Verbindung gebracht werden kann. Er trug wohl die Querbalken für ein im Heck geschlossenes Deck. Dieses muß allerdings im Mittschiffsbereich an den Seiten für die Ruderer offen gewesen sein. Denn wenn sie unter Deck gerudert hätten, müßten sich in den Bordwänden Ruderpforten für die Riemen finden. Dies ist bei Schiff 3 aber nicht der Fall. Die Ruderer müssen also so hoch gesessen haben, daß sie über die Bordkante hinweg die Riemen bewegen konnten.

Hinweise auf einen Ausleger

Die erhaltene Bordkante im Heck auf der Steuerbordseite liegt deutlich höher als die Backbordseite des Mittschiffs. Sind es im Heck 9 Plankengänge, lassen sich im Mittschiffsbereich nur acht Plankengänge feststellen, wobei die oberste Planke mit teilweise erhaltener originaler Oberkante sehr schmal ist. Dieser Plankenrest liegt in der Verlängerung der oben erwähnten Spantaussparungen und Innennägel im Heck, die mit dem Deck in Zusammenhang gebracht werden können. Das bedeutet, daß die Bordwand im Mittschiffsbereich nur bis zur Höhe des Decks reichte.
Unterhalb dieses Plankenrests fehlt jeder Hinweis auf einen Duchtweger - nachweisbar für den Typ A der Mainzer Schiffe an den Wracks 1 und 4 - sowie einen Schandeckel - belegt bei Schiff 1 - oder separate Riemenauflagen - etwa bei Schiff 2 und 4 anzunehmen. Da römische Militärschiffe im Gegensatz zu Frachtschiffen in erster Linie gerudert wurden, muß man bei Schiff 3 also einen Ruderapparat voraussetzen, der keine Spuren an der Bordwand hinterließ. Dies ist nur bei einem Ausleger möglich, mit dessen Hilfe die Dollen nach außen vor die Bordwand verlegt wurden. Eine Reihe antiker Kriegsschiffdarstellungen zeigen solche Ausleger. Weil sowohl die Auslegerkonstruktion als auch die Ruderbänke auf den Decksbalken aufliegen können, erübrigt sich eine Verstärkung der Bordkante und die Anbringung eines Duchtwegers, wie es bei Schiffen ohne Ausleger nötig ist. Genauere Einblicke in diese Konstruktion erlaubt der Nachbau Mainz B.

Aufbewahrung

Das mit Kunstharz konservierte Schiff Mainz 3 ist im Museum für Antike Schiffahrt in Schwimmlage ausgestellt.

 


Barbara Pferdehirt

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