Das Schiff Mainz 2

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Entdeckung und Erhaltung
Datierung
Funktion
Einzelheiten der Konstruktion
Aufbewahrung


Entdeckung und Erhaltung

Im Winter 1981/82 wurde das Schiff 2 am Rand der Baugrube für das Hotel Hilton II an der Löhrstraße entdeckt. Erhalten blieb die hintere linke Schiffshälfte mit dem Kiel und einem Teil des Achterstevens. Da die Baugrubenwand das Wrack durchschnitten hat, konnte es nur auf einer Länge von 10,80 m geborgen werden. Die Breite des noch vorhandenen Teils beträgt 1,80 m , die Höhe 1 m.



Datierung

Wie alle bisher in Mainz gefundenen Schiffe wurde auch Schiff 2 aus Eichenholz gebaut. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben Fälldaten für das Bauholz aus den Jahren 241, 262 und 287 n.Chr., wobei an allen untersuchten Proben das Splintholz und die Waldkante fehlen. Man wird daher davon ausgehen dürfen, daß die für den Bau von Schiff 2 verwendeten Eichen im 4. Jahrhundert n.Chr. geschlagen wurden.

Funktion

Schiff 2 gehört nach den bisherigen Untersuchungen zum Typ A der spätantiken Mainzer Schiffe, wie ihn der Nachbau Mainz A im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz verkörpert. Damit kann Schiff 2 als ein für den Einsatz auf Fl¨ssen vorgesehener militärischer Mannschaftstransporter angesprochen werden.

Einzelheiten der Konstruktion

Planken

Dübelspuren in den Planken von Schiff 2 belegen, daß sein Rumpf zunächst mit Hilfe von Mallen (Spantschablonen) errichtet worden ist, bevor man diese dann durch die endgültigen Spanten ersetzte.



Die 2 - 2,5 cm dicken, ca. 20 - 30 cm breiten Planken sind kraweel, also stumpf aufeinander gesetzt. Von den insgesamt neun Plankengängen können der 3. und 5. Plankengang als Totgänge angesprochen werden.

Kiel

Auf dem hinteren Ende des 5-6 cm starken, 25 cm breiten Kiels mit Bilgerinne wurde der aus einem Krummholz gearbeitete Achtersteven mit einer einfachen Blattlasche durch Nägel befestigt.

In Abständen von ca. 47 cm hat der antike Bootsbauer den Sitz der Spanten auf dem Kiel markiert. Die gegenüber den übrigen Schiffen größeren Abstände der Anrißlinien erklären sich durch die paarweise Anordnung der Spanten: Die Markierung bezeichnet ungefähr die Mitte des jeweiligen Spantpaares.

Spanten

Schiff 2 besitzt als einziges der spätantiken Schiffe aus Mainz Halbspanten. Dabei sind die Backbord- und Steuerbordspanten jeweils paarweise eng nebeneinander verlegt - die Backbordspanten immer achterlich der Steuerbordspanten. Nur die Spanten auf dem Achtersteven bestanden aus einer Bodenwrange und zwei Seitenspanten, von denen sich allerdings nur die Spanten auf der Backbordseite erhalten haben. In der Regel haben die Spanten eine Dicke von 5 - 7 cm und eine Breite von 10 - 12 cm. Planken und Spanten sind durch Eisennägel miteinander verbunden.


Dollbord und Innenausbau

Der Dollbord ist bis auf die Scheuerleiste und eine nicht mehr im Verband gefundene lose Riemenauflage vergangen. Weitere lose im Schiff geborgene Teil sind Kniehölzer und kurze senkrechte Hölzer, zum Teil mit Knaufenden. Vom Innenausbau selbst blieben nur wenige Reste schmaler Stringer an der Innenseite der Bordwand bewahrt.


Steuerungsanlage

Besser dokumentiert ist dagegen die Ruderanlage mit dem 11 x 11 cm dicken Querbalken, der noch ca. 50 cm über die Bordwand nach außen vorsteht und an seiner hinteren Seite zwei Zapflöcher aufweist. Im Inneren steckt ein gekrümmtes Stützholz , das an seinem anderen Ende mit der Bordwand vernagelt ist. Für die Existenz eines zweiten, schräg auf die Innenseite zulaufenden äußeren Stützholzes sprechen das äußere Zapfloch im Ruderbalken sowie die Abflachung und das Zimmermannszeichen am hinteren Ende des inneren Stützholzes.



Aufbewahrung

Das mit Kunstharz konservierte Schiff 2 ist in der Ausstellung des Museums für Antike Schiffahrt in seiner Fundlage zu sehen.

Barbara Pferdehirt

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