Im
Zuge wasserbaulicher Aktivitäten wurden 1975 im belgischen Pommeroeul,
südöstlich von Tournai am Flüsschen Haine gelegen, die Überreste
von sechs Wasserfahrzeugen entdeckt, aber nur teilweise dokumentiert. Über
ein Plankenboot unbekannten Typs, einen Einbaum sowie zwei Stammboote vom Typ
Zwammerdam 3 hinaus befanden sich darunter auch die Wracks zweier Prähme.
Bei dem auf noch 12,7 m Länge am besten erhaltenen Exemplar (Pommeroeul
1) handelt es um Teile vom Achter- und Mittelschiff mit einem kurzen Stück
intakter Bordkante (Abb. 1). Das Fahrzeug wurde geborgen und konserviert. Dendrochronologische
Untersuchungen weisen seine Erbauung ans Ende des 2. oder an den Beginn des
3. Jhs. n. Chr. Es befindet sich heute im Museum "Espace Gallo-Romain" in Ath.
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Der
rund 3 m breite, auf 18 bis 20 m ursprüngliche Länge geschätzte
Rumpf weist einige Besonderheiten auf: An drei vergleichsweise breite Bodenplanken
schließen sich beiderseits Profilhölzer mit gerundet L-förmigem
Querschnitt an. Ihre leicht einfallenden Seiten bilden auf 0,5 m Höhe die
Bordwände. Diese werden im oberen Bereich durch eine Kombination aus einer
schmalen, binnenbords überlappenden Planke sowie aus einem auf die Profilholzkante
und die Spantenden gesetzten Kantholz verstärkt., deren gemeinsame Oberfläche
die Basis für ein aufgelegtes Gangbord bildet (Abb. 2). Dabei handelt es
sich um ein 22 cm breites auf der begehbaren Oberseite mit Rippen profiliertes
Element (Abb. 3), dessen Außenkante ebenso wie das tragende Kantholz durch
eine zierliche Planke verblendet wird. Einschließlich des Gangbords, das
beim Stakantrieb des Fahrzeuges unbehindertes Laufen eines Besatzungsmitgliedes
ermöglichte, beträgt die Rumpfhöhe weniger als 0,7 m. Dieses
Maß spricht in Verbindung mit der auch von anderen antiken Prähmen
(Laibach; Xanten-Lüttingen) bezeugten Antriebstechnik für einen Einsatz
auf extrem flachen Gewässern.
Im Achterschiff angetroffene Strukturen weisen auf einen Heckeinbau, einen hüttenartigen Wetterschutz hin. In die zumeist paarweise verteilten Korben und in "Laufplanken" gezapfte Stützen hielten eine zweischalige Wandkonstruktion; sie bildete ein rund 2,3 m langes Geviert, das sich über die gesamte im Rumpf verfügbare Breite erstreckte. Die Außenfläche der Wände wurde aus sich klinkerartig überlappenden schwächeren Brettern aufgebaut, die Innenseite mit stärkeren Nadelholzplanken. Eine zentrale Stütze wird als Dachträger gedeutet. Organische Rückstände glaubt man mit einer Strohabdeckung des Laufniveaus, das aus in die Spantzwischenfelder verlegten Bohlen besteht, in Verbindung bringen zu können. Die Höhe der vermeindlichen "Kajüte" bleibt unklar.

Als
Abdichtungsmaterial dient eine in die Plankennähte getriebene oder während
der Beplankung zwischen die Nahtkanten gepresste Schnur unbekannten Materials,
die mit zahlreichen Nägelchen von außen fixiert wurde. Nach demselben
Muster waren auch andere in Pommeroeul gefundene Fahrzeuge behandelt. Über
das schlechter erhaltene Wrack eines zweiten Prahms (Abb. 4) wird berichtet,
dass seine Bodenplanken miteinander vernagelt waren. Die den Schiffsboden einfassenden
Profilhölzer wurden im Bereich der Bordwände durch kraweel aufgesetzte
Planken ergänzt (Abb. 5).
Text: Ronald Bockius
Literatur:
- M.-H. Corbiau, Les cours d’eau au sein des communications antiques les témoinages de l’archéologie en Belgique. In: Archéologie des Fleuves et des Rivières. Ausstellungskat. Chalon-sur-Saône 2 (Paris 2000) 96
- M.D. De Weerd, Schepen voor Zwammerdam. Academisch Proefschrift Universiteit van Amsterdam (Amsterdam 1988) 253ff.