WOERDEN 3

 

Trotz dürftiger Überlieferung lässt sich der 1988 beiläufig beobachtete Schiffsfund Woerden 3 unzweifelhaft identifizieren. Als erweiterter Einbaum mit klinkerartig aufgesetztem Oberbord beschrieben, betrug die Rumpfbreite im mittleren Bereich um 1,2 m (am Boden etwa 0,6 m), die Bauhöhe dort etwas weniger als 0,5 m. Paarweise verteilte Korben bzw. Kniespanten mit einzeln angelegten Nüstergatts waren mit Eisennägeln an der Außenhaut befestigt, pro Knie mit je zwei Nägeln am Schiffsboden und einer Bordwand. Der einmal messbare Spantabstand betrug ungefähr 0,8 m. Eine auf den Oberkanten der Trogwände aufgelegte Mastducht deutet nicht nur das Antriebsprinzip des Fahrzeugs an, sondern liefert auch einen Hinweis auf die anzunehmende Schiffslänge. 3,5 m entfernt wurde der Bug freigelegt, der überdies binnenbords durch ein besonderes Element verstärkt und mit einem Beschlag versehen gewesen sein soll. Gemäß der relativen Mastposition in Zwammerdam, Wrack 3, sind für Woerden 3 somit gut 11 m Gesamtlänge zu kalkulieren. Nach einer Fotoaufnahme der notdürftig präparierten Antriebssektion beurteilt, kann sich unterhalb der Mastducht allenfalls eine seichte, auf den Boden konzentrierte Struktur befunden haben; ein Fundament für den durch die Bank gesteckten Pfahl oder Mast ist hier unabdingbar. Funde aus der Umgebung liefern zur Datierung des Schiffsfundes einen Ansatz im 2. oder in der ersten Hälfte vom 3. Jh.

Literatur:

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