Über
das nur notdürftig untersuchte Wrack aus Kapel-Avezaath,
Gem. Zoelen, Prov. Gelderland (NL) ist wenig
bekannt. Gefunden in einem verlandeten Seitenarm (Linge) des Waal, zählt
das auf noch 30,7 m Länge aufgedeckte Fahrzeug zu den größten
des Typs. Seine Datierung ins fortgeschrittene bis späte 2. Jh. n. Chr.
stützt sich auf eine 14C-Analyse sowie den zeitlichen Ansatz
von Gefäßscherben. Reste von Dachziegeln werden mit Ladung in Verbindung
gebracht, ein Eisenfund als Kalfatwerkzeug interpretiert.
Der
Schiffskörper wurde weder in seiner ganzen Länge noch auf kompletter
Breite erfasst. Erhalten war eine größere, in ein Schiffsende übergehende
Strecke der Mittelsektion mit einer Breite von noch rund 3,2 m. An ein L-förmiges
Kimmholz schloss sich der Schiffsboden aus 0,4 und 0,9 m breiten, 0,07 m starken
verschäfteten Plankengängen an.
Die paarig mit alternierender Richtung verlegten Korben waren bei rund 0,2 m Breite außerordentlich flach (0,04 bis 0,06 m). Ihre Befestigung erfolgte durch zwei Eisennägel pro Plankengang mit abwechselnd außen und innen gekröpften, ins Holz zurückgetriebenen Schaftenden. Die aufgehenden Astabschnitte waren zumeist abgebrochen.
Text: Ronald Bockius
Literatur:
D. Ellmers, Keltischer Schiffbau. Jahrb. RGZM 16, 1969, 121f.
R.S. Hulst, Romeinse Scheepsvondsten in Nederland. Spiegel Historiael 9, 1974, 234ff.
L.Th. Lehmann, The Romano-Celtic boats from Druten and Kapel-Avezaath. In: J. du Plat Taylor u. H. Cleere (Hrsg.), Roman shipping and trade: Britain and the Rhine provinces. CBA Research Rep. 24 (London 1978) 77ff.
L.P. Louwe Kooijmans u.a., Kapel Avezaath, gem. Zoelen. Nieuwsbulletin Koninklijke Nederlandse Oudheidkundige Bond 67, 1968, 124.
M.D. De Weerd, Römerzeitliche Transportsschiffe und Einbäume aus Nigrum Pullum/Zwammerdam (Z.-H.). In: Studien zu den Militärgrenzen Roms II. Bonner Jahrb., Beih. 38 (Köln/Bonn 1977) 194.
M.D. De Weerd, Schepen voor Zwammerdam. Academisch Proefschrift Universiteit van Amsterdam (Amsterdam 1988) 229ff.