DIE RÖMISCHEN FISCHHÄLTER (BÜNNEN) VON ZWAMMERDAM

 

Am nordwestlichen Rand vom römischen Schiffsfriedhof Zwammerdam (Nigrum Pullum), Prov. Zuid Holland (NL) wurden die teilweise vorzüglich erhaltenen Wracks zweier Einbaumkonstruktionen gefundenen, die nur in eingeschränktem Sinne zu den Wasserfahrzeugen zählen. In beiden Fällen handelt es sich um gedeckte, durch Spühllochbohrungen im Rumpf bewässerte Fischhälter, die mangels Auftrieb nicht als Boot, sondern ausschließlich als schwebend im Wasser verankerte oder durch Fahrzeuge geschleppte Bünnen zur Lebendhälterung des Fangs verwendet worden sind. Ihre schiffsartige, an Einbaumboote erinnernde Gestalt wie auch einige bautechnische Einzelheiten sprechen allerdings dafür, dass die schwimmenden Geräte aus vollgültigen Fahrzeugen zweckentfremdend umgebaut worden sind. Ihre Datierung lässt sich nur grob mit 2. bis 3. Jh. n. Chr. umreißen.

ZWAMMERDAM 1

Der in der mittleren Partie durch einen Bagger zerstörte Fund Zwammerdam 1 besteht aus einer ausgehöhlten Eiche mit 4 bis 8 cm Wandungsstärke und U-förmig bis gerundet-rechteckig modellierten Querschnitten. Die Gesamtlänge beträgt knapp 7 m, die Breite rund 1 m und die Höhe 0,3 bis 0,5 m. Eines der beiden Rumpfenden entspricht der charakteristischen Einbaumform mit stumpfem, vom Boden her gerundet aufkimmendem Abschluss mit leicht einziehenden Seiten. Das gegenüber liegende Ende wurde dagegen mit einem senkrechten Spiegelbrett geschlossen, das mit dem monoxylen Trog sowie zwei sich gegenseitig überlappenden knieförmigen Spanten vernagelt worden war. Dadurch erhielt der Schwimmkörper eine Orientierung: Die bugartige Sektion bewahrt noch Fragmente einer vollflächigen Abdeckung aus drei 4 bis 6 cm starken Bohlen, die auf noch zwei in die Bordkanten eingelassenen Querbalken genagelt waren. Deren Enden liegen unter einer schmalen Schandeckelleiste verborgen. Gegen das stumpfe Rumpfende hin deutet sich eine hier ursprünglich vorhandene Lukenöffnung für die Beschickung des Fischbehälters an. Eine vertikale Bohrung im aufkimmenden Boden wird mit der Verankerung des Behälters mittels eines Steckens in Verbindung gebracht. Aufgrund der nur 10 bis 30 cm unterhalb von der Bordkante durch die Rumpfwand gebohrten Spüllöcher wird der Behälter bis fast zum Rand im Wasser gelegen haben.

 

ZWAMMERDAM 5

Mit rund 5,5 m Länge, 0,76 m maximaler Breite und etwas weniger als 0,4 m Höhe fällt der Fischhälter Zwammerdam 5 etwas zierlicher aus, gleicht aber dem ersten in etlichen morphologischen und technischen Details. Der eichene Einbaumtrog ist hier mehr geometrisch geformt und verjüngt sich, beginnend am stumpfen Ende mit angesetztem Spiegelbrett, bis zum bugartigen Ende kontinuierlich. Die Wandung ist mit 2,5 bis maximal 4 cm nur halb so stark wie bei Nr. 1. Der an den Seiten bis dicht unterhalb der Seitenlinie mit Spühllöchern versehene Einbaum wird durch ein Querschot in zwei geflutete Abteilungen unterteilt, deren Abdeckung über kleine Scharnierklappen zum Einsetzen und Entnehmen des Fangs verfügten.

Bis vor kurzem ihrer Art nach einzigartig, steht den römischen Fischbehältern aus Zwammerdam jetzt ein in Woerden, Prov. Zuid Holland, entdeckter, aber noch unpublizierter Neufund (Woerden, Wrack 5) gegenüber.

Text: Ronald Bockius

Literatur:

B. Arnold, Piroques monoxyles d'Europe centrale. Construction, typologie, évolution. Teil 1 Arch. Neuchâteloise 20 (Neuchâtel 1995) 117f.

M.D. De Weerd, Schepen voor Zwammerdam. Academisch Proefschrift Universiteit van Amsterdam (Amsterdam 1988) 55ff.; 83ff.