Entdeckung und Erhaltung
Datierung
Funktion
Einzelheiten der Konstruktion
Antrieb
Aufbewahrung
Entdeckung, Erhaltung und Datierung
Im Frühjahr 1982 wurden beim Bau
eines Hauses zwischen Holzstraße und Kappelhofgasse, ca.
500 m südlich der Fundstelle der spätantiken Schiffe,
die Reste von zwei Prähmen gefunden.
Bis auf einen 2 m langen
Rest des besser erhaltenen Wracks - als Schiff Mainz 6 bezeichnet
- wurden sie nicht geborgen. Mainz 6 war bei der Auffindung noch
11 m lang, 2,60 m breit und 92 cm hoch. Die gesamte Steuerbodseite
fehlte. Alle Bauteile bestehen aus Eiche, die nach den dendrochronologischen
Untersuchungen im Frühjahr 81 n.Chr. gefällt worden
sind.
Typ und Funktion
Das Schiff 6 aus Mainz gehört zu
dem im gallisch-germanischen Raum gut belegten Typ Zwammerdam.
Dies sind Schiffe mit flachen Boden und rampenartig ansteigenden
Schiffsenden. Sie erlaubten es, daß diese Fahrzeuge zum Be-
und Entladen auf ein unbefestigtes Ufer fahren konnten. Ihr charakteristischstes
Bauteil bildet allerdings das L-förmige Kimmholz. Es besteht aus
einem einzigen, entsprechend zugerichteten Stamm und verbindet
den flachen Boden mit der gestreckten, leicht schrägen Bordwand.
Die kistenartige Form, die selbst bei voller Beladung nur geringen
Tiefgang zuließ, prädestinierte diesen Typ zum Schwerlasttransporter auf Flüßen.
Einzelheiten der Konstruktion
Planken
Der Boden von Schiff 6 bestand ursprünglich
aus fünf Planken, von den sich die beiden backbordseitigen
und die Mittelplanke erhalten haben. Sie sind 58, 74 und 70 cm
breit sowie 3 cm stark. Der Bodenschenkel des Kimmholzes besitzt
eine innere Breite von 47 cm bei einer Stärke von 3 cm, der
senkrechte Bordwandschenkel von 61 cm. Hier beträgt die Dicke
5 cm. Der Baum, aus dem das Teil in römischer Zeit herausgearbeitet
wurde, muß einen Durchmesser von mindestens 1,10 m besessen
haben.
Die Bordwand ist durch ein 41 cm breites,
5 cm starkes Setzbord erhöht. Man hatte es mit dem Kimmholz
überlappend vernagelt. Ein oben angearbeiteter Wulst übernahm
die Funktion einer Scheuerleiste.
Antrieb
Wie bei allen Schiffen vom Typ Zwammerdam
gibt es auch bei dem Schiff Mainz 6 keinerlei Hinweise auf einen
Ruderapparat. Es muß daher angenommen werde, daß diese
Schiffe gestakt, gepaddelt oder getreidelt wurden. Sicher konnten
sie gesegelt werden, wie entsprechende Parallelfunde zeigen. Das
Schiff 6 aus Mainz besaß zwar sicher kein Kielschwein wie
das Schiff Zwammerdam 2, aber an der Stelle, an der ein Mastspant
wie z.B. bei dem Schiff Woerden 1 zu erwarten gewesen wäre,
klafft bei Mainz 6 ein großes Loch. Möglicherweise
hatte man dieses Bauteil herausgerissen, bevor man mit dem restlichen Rumpf
schließlich das Ufer befestigte.
Aufbewahrung
Das mit Kunstharz konservierte Schiff
ist im Museum für Antike Schiffahrt in Schwimmlage zu sehen.
Ein Modell im Maßstab 1:10 zeigt
die zu rekonstruierenden Ausmaße von ca. 40 m Länge
und 5 m Breite
Barbara Pferdehirt