Entdeckung und Erhaltung
Datierung
Funktion
Einzelheiten der Konstruktion
Aufbewahrung
Entdeckung und Erhaltung
Das spätantike Schiff 5 aus Mainz
wurde im Winter 1981/82 in der Baugrube für das Hotel Hilton
II an der Löhrstraße zusammen mit vier weiteren entdeckt.
Ursprünglich auf 16 m Länge erhalten , konnte nur die
vordere, 9 m lange Partie vom Bug bis kurz hinter den Mastspant
geborgen werden.
Dieser Teil zeichnet Schiff 5 vor den übrigen
spätantiken Wracks aus, denn bei den Schiffen 1, 2, 3 und
4 haben nur die Heckpartien die Zeiten überdauert. Auf beiden
Seiten ist der Schiffsboden bis zur Kimmung vorhanden. Die Breite
am Mast beträgt 1,95 m, die Höhe noch 42 cm.
Datierung
Nach den dendrochronologischen Untersuchungen
wurden die für den Bau benutzten Eichen in den 80er und 90er
Jahren des 4. Jahrhunderts n.Chr. gefällt. Wie in Schiff 1 wurde auch bei Schiff 5 eine Bronzemünze zwischen einem Spant und der Bordwand gefunden. Ihr schlechter Erhaltungszustand läßt aber keine Datierung zu.
Funktion
Das Schiff 5 gehört zum Typ A der
spätantiken Schiffe aus Mainz, einem schnellen Mannschaftstransporter,
wie ihn der Nachbau Mainz A im Museum für Antike Schiffahrt in
Mainz darstellt. Solche Fahrzeuge konnten gerudert und gesegelt
werden und waren für den Einsatz auf Flüßen bestimmt.
Einzelheiten der Konstruktion
Planken
Auch bei diesem Fahrzeug waren die 2
- 2,5 cm dicken, 21 - 24 cm breiten Planken ohne Nut-und-Feder-Verbindung kraweel
gesetzt. Von den auf jeder Seite noch erhaltenen fünf Plankengängen können der 3. und 5. Plankengang als Totgänge
angesprochen werden. Beim Plankengang Backbord 1 ließ sich eine stumpfe Schäftung beobachten. Gehalten wurde der Rumpf durch Eisennägel,
die Planken und Spanten miteinander verbanden. Dabei wurden die
Nägel durch vorgebohrte, mit Dübel versehene Löcher
geschlagen.
Kiel
Mit 8 cm ist der 20 cm breite Kiel der
höchste der spätantiken Mainzer Schiffe. In seiner Mitte erkennt man noch gut die Rinne f¨r das Bilgewasser. Auf dem Kiel finden sich im Abstand von ca. 35 cm Anrißlinien des antiken Bootsbauers für die Spanten. Dabei war der Sitz des Mastspants mit einem Andreaskreuz besonders markiert. Am vorderen Kielende liegt die Blattlasche des Vorderstevens auf und ist mit einem Bolzen befestigt.
Bug
Der Vordersteven besteht aus gewachsenem
Krummholz. Seine Spitze endet 42 cm über dem Kiel. Er ist an dieser Stelle zu dünn um anzunehmen, er sei in römischer Zeit länger gewesen. Für eine mö,gliche Schäftung fehlt jeglicher Hinweis etwa in Form eines Eisenbolzens o.ä.
Das läßt darauf schließen, daß Schiff 5
einen zurückschwingenden Kriegsschiffsbug besaß, wie
ihn der Nachbau Mainz A zeigt.
Bei dieser Konstruktion stand auf dem kurzen Vorstersteven ein konkav geschwunger Mittelsteven, an dessen unteren Ende zwei nach rechts und links führende Seitensteven gefestigt waren. Da auf Grund des geringen Abstands von vordersten Spant zur Vorderstevenspitze der Winkel zu scharf ist, um die Planken an diesem Mittelsteven zu befestigen - sie würden bei einem Versuch brechen -, darf davon ausgegangen werden, daß der Bug separat beplankt gewesen ist. D.h. der gesamte Bug mit Mittel- und Seitensteven sowie der Bugbeplankung war ein eigenes Bauteil, das auf den Vordersteven gestellt wurde und das Schiff vorn schloß.
Aufbewahrung
Der mit Kunstharz konservierte Rest von
Schiff 5 ist in der Ausstelllung in Schwimmlage zu sehen.
Barbara Pferdehirt