Das Museum für Antike Schiffahrt

 

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Das Museum für Antike Schiffahrt in Mainz wurde am 25. November 1994 eröffnet und erweitert seit dieser Zeit ständig seine Ausstellung. Es vermittelt einen Überblick über die vielfältigen Bezüge zwischen mediterranem und nordalpinem Schiffsbau auf der einen Seite, der sozialen Stellung und den Aufgaben von römischen Flottensoldaten auf der anderen Seite.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen fünf Militärschiffe aus dem späten 3./4. Jahrhundert n.Chr., die 1981/82 in Mainz gefunden wurden. Sie sind teilweise wie Schiff 3 und Schiff 5 in Schwimmlage zu sehen, teilweise aber auch wie Schiff 1, Schiff 2 und Schiff 4 in ihrer Fundlage. Obwohl alle aufgrund ihrer Rumpfform als Militärschiffe angesprochen werden können, gehören sie aber zu zwei verschiedenen Typen. Die Schiffe 1, 2, 4 und 5 können als Typ A engsprochen werden. Es waren sehr schlanke, schnelle Ruderboote mit je einer Ruderreihe auf jeder Seite. Sie konnten bei Bedarf auch gesegelt werden. Der Nachbau Mainz A in der Ausstellung - ein 21,5 m langes, 2,79 m breites und ca. 1 m hohes Schiff - vermittelt einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen dieses Fahrzeugtyps. Für die Rekonstruktion der Teile, die sich nicht mehr original erhalten haben, wurde dabei auf römische Schiffsdarstellungen auf Reliefs, Mosaiken, Wandmalereien, Münzen usw. zurückgegriffen.

Das Originalschiff 3 gehört zum Typ B, einem gedrungeneren Fahrzeug. Es wird durch den rund 18 m langen, 4,80 m und 1,30 m hohen Nachbau Mainz B verkörpert. Auch hier wurde für die verlorenen Teile auf zeitgenössische Darstellungen zurückgegriffen, in diesem Fall auf das silberne Schiffsmodell aus dem Schatzfund von Rethel in Frankreich. Im Gegensatz zu Nachbau Mainz A, der wohl einen Mannschaftstransporter darstellte, handelte es sich bei Nachbau Mainz B um ein Patrouillenschiff, das zur Überwachung der Rheingrenze eingesetzt war. Das Vorhandensein solcher Wachtschiffe sind durch antike Schriftsteller überliefert.

Große Leuchtbilder erläutern die historische Situation, in der die Schiffe Dienst taten bzw. wodurch ihr Schicksal besiegelt wurde - nämlich durch die germanische Invasion im Jahr 402, die die Römer zunächst zur Aufgabe der Rheinzone und der dort stationierten Flotte zwang. Lebensbilder vermitteln darüber hinaus einen Eindruck, wie man sich den Bau der Schiffe, ihren Stapellauf und ihren Einsatz auf dem Fluß in spätantiker Zeit vorstellen muß.

Unweit der Fundstelle der fünf spätantiken Militärschiffe kamen wenig später die Reste von zwei Plattbodenschiffe vom Typ Zwammerdam zum Vorschein. Von einem konnte noch ein ca. 2 m langes Stück geborgen werden, das heute ebenfalls in der Ausstellung als Schiff 6 zu sehen ist. Aufgrund der Grabungszeichnungen des ursprünglich länger erhaltenen Schiffs und des geborgenen Teils konnte das Schiff vollständig rekonstruiert werden. Ein Modell im Maßstab 1:10 zeigt die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Fahrzeugs. Ihm zur Seite stehen weitere 1:10-Modelle dieses Fahrzeugstyps. Sie beruhen auf den in den Niederlanden gefundenen Wracks Zwammerdam 2 und Woerden 1. Diese in der römischen Kaiserzeit nördlich der Alpen weitverbreiteten Schwerlastkähne zeichnen zwar einerseits durch charakteristische Bauteile wie z.B. das Kimmstück aus, weisen aber doch auch eine beachtliche Variationsbreite auf, die durch die Modelle dokumentiert wird.

Neben den originalen Wracks aus Mainz zeigt das Museum für Antike Schiffahrt römische Reliefs mit Schiffsdarstellungen. Sie sollen die Typenvielfalt und Entwicklung römischer Kriegsschiffe belegen, an deren Ende die spätantiken Schiffe aus Mainz stehen. Ein herausragendes Beispiel in diesem Zusammenhang bilden die Schiffsdarstellungen auf der Trajanssäule. Kopien dieser Szenen sind in der Ausstellung zu sehen.
Ausgehend von den Proportionen, die sich aus den Darstellungen für die einzelnen Schiffe ergeben, kombiniert mit Befunden aus erhaltenen Wracks und physikalischen bzw. schiffstechnischen Überlegungen werden im Museum für Antike Schiffahrt Baupläne solcher Schiffe entwickelt und in Modellschiffe im Maßstab 1:10 umgesetzt.


Neben eindeutigen Kriegschschiffen gilt das Interesse auch zivilen Flußschiffen, wie sie ebenfalls auf römischen Monumenten zu finden sind. Hier lassen sich Bezüge zwischen dem nordalpinen Raum und dem Mittelmeergebiet aufzeigen. So scheinen Bauteile, die man aus den Schiffen vom Typ Zwammerdam kennt, auch bei Schiffen verwendet worden zu sein, die für den Gütertransport zwischen Portus, dem Seehafen Roms, und der Stadt selbst eingesetzt waren. Modelle weiterer Frachtschiffe basieren auf vollständig rekonstruierten Originalwracks wie z.B. Blackfriars oder Comacchio.

Die Modellbauer stellen alle für die Ausstellung vorgesehenen Modellschiffe vor den Augen der besucher her. Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit Rheinland-Pfalz und das Arbeitsamt Mainz finanziell unterstützt.

Der Erläuterung römischen Schiffsbau gilt ein weiterer Abschnitt der Ausstellung. Hier werden anhand ausgewählter Beispiele die wichtigsten Bauteile der spätantiken Schiffe, ihre Benennung und ihre Funktion erklärt. Außerdem wird auf die spezielle Bauweise der Mainzer Schiffe eingegangen und ihr Maßsystem, das Rückschlüsse auf die Herkunft der römischen Bootsbauer zuläßt.

Den Schwerpunkt über das Flottenwesen in der römischen Kaiserzeit bildet die soziale Stellung der Flottenangehörigen, die Struktur römischer Flotten und deren Aufgaben in Friedenszeiten. Wichtigste Grundlage für solche Aussagen bilden Grabsteine, Statuenbasen und Weihealtäre römischer Flottenangehöriger, auf denen ihre Tätigkeit oder ihr Rang genannt wird. Exemplarisch für diese historisch überaus wichtige Denkmälergruppe sind im Museum für Antike Schiffahrt alle Inschriften von Angehörigen der römischen Rheinflotte zusammengetragen worden.


Solange die Konservierung und Restaurierung der beiden an der Donau gefundenen Schiffe Oberstimm 1 und Oberstimm 2 andauert, befinden sich auch diese Wracks im Museum für Antike Schiffahrt. Dabei erfolgt die Zusammensetzung der einzelnen Bergeabschnitte, in die die Schiffe für den Transport nach Mainz geteilt wurden, ebenfalls vor den Augen der Besucher unmittelbar in der Ausstellungshalle.


Barbara Pferdehirt

Museum für Antike Schiffahrt
Neutorstr. 2 b
D-55116 Mainz
Tel: +49 - (0)6131 - 286630
Fax: +49 - (0)6131 - 2866324
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Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags 10-18 Uhr; montags geschlossen

Eintritt frei